Politik aus Verkäufersicht: Die deutsche Parteienlandschaft

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WIE MAN SELBST
TREUE KUNDEN
VERGRAULT

Die AfD auf dem Vormarsch, die Grünen
unter den stärksten Parteien: Selten
befand sich die politische Landschaft
in der Republik so stark im Wandel wie
jetzt. Von den alten Semestern SPD und
CDU vernimmt man derweil wenige
mutige oder einende Signale. Stattdessen
dominieren Skandale und Fehltritte. Aus
Verkäufersicht lassen sich offensichtliche
Fehler ableiten.

Auf einmal schien die SPD wie wiederauferstanden. Als Martin Schulz, Ex-Präsident des Europäischen Parlaments, Anfang
2017 als Kanzlerkandidat antrat, ging ein Ruck durch die Reihen
der Sozialdemokraten. Mit 100 Prozent der Stimmen wurde er
zum Parteivorsitzenden gewählt, das beste Wahlergebnis der
Nachkriegsgeschichte. Über 10.000 Neu-Mitglieder traten ein.
Für kurze Zeit schien es, als könnte der einstige Bürgermeister
von Würselen Kanzlerin Angela Merkel vom Thron stoßen und
eine Popularität vergleichbar zu Urgesteinen wie Willy Brandt
und Helmut Schmidt erlangen. Doch schon binnen weniger

Monate verlor seine Kampagne an Momentum, versinnbildlicht
durch drei verlorene Landtagswahlen im Saarland, in SchleswigHolstein und in Nordrhein-Westfalen. Bei der Bundestagswahl bewältigte die SPD nur knapp die 20-Prozent-Marke, das
schlechteste Wahlergebnis der Nachkriegsgeschichte. Seitdem
der Schulz-Zug entgleist war, befindet sich das ohnehin schon
angeschlagene Image der Volkspartei im freien Fall. Bei der
Europawahl Ende Mai dieses Jahres erreichte die Partei gerade
einmal 15,8 Prozent – bei der letzten Wahl 2014 kam sie noch auf
28,3 Prozent –,gefolgt vom Rücktritt von Andrea Nahles. Während
die Grünen ein Traumergebnis erzielten, redete über die Sozialdemokraten kaum noch jemand. Nachdem alle anderen Anläufe
scheiterten, wird nun Anfang Dezember eine neue Doppelspitze
gewählt – von den vielen Kandidaten-Duos sind den meisten
Bürgern jedoch nur wenige Persönlichkeiten vertraut. Und ob
bis dahin die neueste Selbstfindungsphase der SPD einen zufriedenstellenden Abschluss findet, sei dahingestellt.
Die (Selbst-)Zerstörung der CDU
Lacht sich derweil die andere Volkspartei ins Fäustchen? Wohl
kaum: Die CDU durchläuft ihren ganz eigenen Spießruten-lauf. Offenkundig wurde dies ausgerechnet durch ein Video
eines YouTubers, der ansonsten mit Politik nichts am Hut hat.
In „Die Zerstörung der CDU“ präsentierte Rezo im Vorfeld der
Europawahl, warum die Partei aus seiner Sicht nicht wählbar
ist. Die Reaktion folgte prompt – oder auch nicht: Denn anstatt
sich mit vollem Einsatz der Kritik eines 27 Jahre alten Influencers entgegenzustellen, brachte der PR-Apparat der größten
deutschen Partei ein elfseitiges PDF heraus. Cool. Die bereits
aufgenommene Videoreplik des Jung-Konservativen Philipp
Amthor wurde erst gar nicht veröffentlicht. Auch CDU-Chefin
Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) strauchelte in vielen Situationen. Schon Anfang des Jahres machte sie sich bei vielen
unbeliebt, weil sie in einer Fastnachtsrede einen Witz über Toiletten für das dritte Geschlecht zum Besten gab. „Was sind eigentlich Regeln aus dem analogen Bereich und welche Regeln
gelten eigentlich für den digitalen Bereich?“, stellte sie dann
kurz nach Rezos Video eine Frage in den Raum. Viele sahen
darin einen Aufruf, die Meinungsfreiheit im Internet beschneiden zu wollen. Nachdem AKK zuvor einen Regierungsantritt
ausgeschlossen hatte, trat sie Mitte Juli plötzlich die Nachfolge
von Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin an. Im
August ließ sie in einem Interview durchblicken, dass HansGeorg Maaßen, Ex-Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, nichts mehr mit der CDU verbinde und somit ein Ausschluss keine hohe Hürde sei – kurz danach stellte sie klar, ja
völlig missverstanden worden zu sein. Und im Oktober wurde
sie scharf dafür kritisiert, dass sie das versuchte antisemitische
Attentat samt Amoklauf mit zwei Toten in Halle als „Alarmzeichen“ bezeichnete. Diesem und weiteren Fauxpas zum Trotz:
Zumindest noch scheint alternativlos, dass AKK Nachfolgerin
der Kanzlerin wird.
Kernthemen statt Scheinwettbewerb
Statt Inhalten beherrschen also Personaldiskussionen die
deutschen Volksparteien. Carsten Beyreuther sieht große
Probleme in der aktuellen Parteienlandschaft verortet – nicht
zuletzt aus der Sicht eines Verkaufstrainers, der sich mit umkämpften Märkten auskennt. „Es herrscht in der Politik nur ein
sogenannter Scheinwettbewerb. Insgesamt ähneln sich die
Parteiprogramme immer mehr und es gibt keine erkennbaren Alleinstellungsmerkmale – bis auf die AfD, die zumindest
wieder Debatten in den Bundestag gebracht hat. Die meisten
Wähler wissen deshalb nicht mehr, wem sie ihre Stimmen geben sollen. Außerdem werden die Bedürfnisse der einzelnen
Wähler kaum erfüllt. Egal wo sie am Ende ihr Kreuz setzen, sie
gehen immer Kompromisse ein.“ Dabei denkt er, dass es für die
meisten nicht um einzelne Themen wie den Klimawandel oder
die Einwanderungspolitik geht: „Sie wollen, dass die Regierung
ihre Bedürfnisse nach Sicherheit, Zusammenhalt, Zufriedenheit und Wertschätzung stärker in den Fokus rückt.“ Vor allem
die SPD habe ihre Grundwerte in den letzten Jahren zunehmend missachtet – anders noch als zu Zeiten von Schmidt und
Brandt. „Sie haben der Bevölkerung auch Geduld und schwierige Phasen abverlangt, aber sie förderten durch ihre Politik den
Zusammenhalt des Volkes. Dafür bewiesen die Menschen der
SPD Treue. Heutzutage rücken Themen wie soziale Gerechtigkeit zunehmend in den Hintergrund.“ Parteien müssten laut
Beyreuther jedoch ihre Kernthemen herausstellen – und das
vor allem diszipliniert. „Sie dürfen im Wahlkampf nicht plötzlich
ihre Themen und Aussagen anpassen. Menschen mögen keine
Veränderungen. Die SPD hätte die eigenen Kernwerte schützen und vertreten müssen, ihr Neoliberalismus hat die höheren
Werte verdrängt. Außerdem hätte sie Themen anderer Parteien nicht aus Angst vor Wählerstimmenverlusten kopieren sollen.“
Politik aus Verkäufersicht
Beyreuther erklärt, wie Politik auch mit der Kunst des Verkaufens
zusammenhängt. „Eine Partei lässt sich mit einem Produkt vergleichen, ihre Wahlprogramme mit einem Katalog, in dem Erzeugnisse samt Eigenschaften in Hochglanzoptik aufgeführt
sind. Entscheiden sich Wähler für eine Partei, schließen sie quasi
einen Vertrag ab, den sie im Regelfall vier Jahre nicht kündigen
können. Sie verzichten dabei auf ihr Rückgabe-, Widerrufs- oder
Gewährleistungsrecht. Nach der Wahl benötigen die Wähler
außerdem Geduld, bis die gewählte Regierung Wahlkampfversprechen einlöst.“ Damit steht viel auf dem Spiel – und so, wie
sich Kunden mit ihrem Produkt unzufrieden zeigen können, lassen sich auch schlechte Wahlergebnisse als offener Beschwerdebrief interpretieren. „Diese Unzufriedenheit herrscht unter
anderem deshalb, da die Parteien es nicht schaffen, höherwertige Bedürfnisse der Wähler wie Sicherheit, Zusammenhalt oder
Zufriedenheit zu bedienen.“

Probleme benennen,
Lösungen kommunizieren
Was empfiehlt also der Verkaufstrainer angeschlagenen
Parteien wie der SPD? „Sie hätte das Thema Sicherheit
als einen der höheren Werte im Wahlkampf in den Fokus
rücken sollen. Als externer Coach hätte ich ihr geraten,
zunächst einmal die wahren Flüchtlingsursachen klarer zu benennen. Dafür braucht es als willfähriges Vollmitglied der NATO zumindest eine Menge Mut, denn
Deutschland trägt eine Teilschuld an der derzeitigen
Flüchtlingssituation. Zudem hätte sich die SPD auf die
Einhaltung der funktionierenden Rechtsordnung in
Anlehnung an geltendes Asylrecht, Einwanderungsgesetz und Schengener Abkommen berufen müssen.“
Insgesamt vertreten und kommunizieren Politiker beider Volksparteien ihr Vorgehen nicht deutlich genug,
beklagt Beyreuther, und treten nicht als Vorbilder für
die Bevölkerung auf. „Deshalb handeln viele Wähler
marktgerecht und entscheiden sich für eine anderen
Anbieter, nämlich die neue Volkspartei AfD.“ Doch dürften Politiker dafür nicht die Wähler anklagen, „sondern
sie müssen sich selbst reflektieren sowie eigene Fehler
eingestehen – und diese auch klar kommunizieren“. Nur
mit einem klaren Blick nach vorn könne man eine Wählerschaft durch unsichere Zeiten wie zurzeit führen: „Die
Vermittlung von Vorhaben und Strategien spielt auch in
der Politik eine immer bedeutendere Rolle.“

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