Wolfgang Grupp: Zurück mit der Verantwortung!

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TRIGEMA-Chef Wolfgang Grupp
ZURÜCK MIT DER
VERANTWORTUNG!

Jeder kann von sich behaupten, im Leben
bereits Erfolg gehabt zu haben. Ihn für
Jahre oder gar Jahrzehnte zu halten, ist
jedoch eine Kunst für sich. Wolfgang
Grupp, Chef des Textiltraditionalisten
TRIGEMA, arbeitet seit 50 Jahren daran, das
mittlerweile 100 Jahre währende Familienunternehmen auf Erfolgskurs zu halten.
Sein Credo: Nur wer bereit ist zu haften,
handelt auch aufrichtig.

01// Was bedeutet für Sie
Erfolg, Herr Grupp?
Erfolg zu haben, ist keine
Kunst. Die Kunst ist es, den
Erfolg durchzustehen! Viele waren erfolgreich, sind
aber als Versager beerdigt
worden. Ob ich erfolgreich bin oder nicht, muss man beurteilen,
wenn ich offiziell abgedankt habe oder wenn man an meinem
Grabe steht.
02// Sie sagen, dass für einen dauerhaften Erfolg die Haftung
der Entscheidungsträger erste Voraussetzung ist. Warum ist
dem so?
Wenn ich Erfolg habe, bedeutet dies ja, dass ich ein positives Ergebnis erwirtschaftet habe. Damit dann nicht der Größenwahn
eintritt, müssen Verantwortung und Haftung her. Bei Erfolg kassieren, aber bei Insolvenz die anderen zahlen lassen hat zumindest mit meinem Gerechtigkeitsverständnis nichts mehr zu tun!
Übrigens kann man auch nicht von Erfolg reden, wenn jemand
einmal erfolgreich ist und anschließend aus Größenwahn insolvent wird: Das ist Versagen. Wenn ich Fehler mache, muss ich
diese genauso verantworten, wie ich den Erfolg selbstverständlich genieße. Wenn aber die Reichen immer reicher werden, obwohl sie versagen und den
anderen die Schulden aufoktroyieren, dann dürfen
wir uns über die Schere
zwischen Arm und Reich
nicht wundern! Der Politik
habe ich schon lange vorgeschlagen, denjenigen
50 Prozent Steuerrabatt
zu gewähren, die persönlich haften. Dann werden
Entscheidungen vernünftiger und verantwortungsvoller getroffen.
03// Sie wünschen sich
also Verantwortung zurück. Inwieweit war diese Haltung im früheren
Wertekanon verankert?
Das Wirtschaftswunder
wurde durch persönlich
haftende Unternehmer
geschaffen! Zu dieser Zeit
war die Schande eines
Konkurses noch unerträglich. Für alles, was er entschied, hat der Unternehmer den Rücken
hingehalten. Heutzutage werden überall Pleiten geschoben –
egal, ob in Familienunternehmen oder Großkonzernen! Darauf
hinzuweisen, hat mir nicht selten Kritik eingebracht. Deshalb
versuche ich meine Entscheidungen so zu treffen, dass ich auch
morgen noch die Arbeitsplätze erhalten kann.
04// Was war der größte Rückschlag, den Sie in Ihrer 50 Jahre langen Karriere erfahren haben? Was konnten Sie daraus
lernen?
Wenn ich diese Frage beantworten und einen großen Rückschlag nennen könnte, dann hätte ich doch versagt! Wenn ich
ein kleines Problem habe, löse ich das, um es nicht zu einem großen werden zu lassen. Mehrfach haben wir unsere Kunden austauschen müssen, weil sie versagt haben; denken wir nur an die
Kaufhaus- und Versandhauskönige. Ich musste daraufhin diese
Aufgabe selbst übernehmen und einen Großteil unserer Pro-duktion direkt zum Verbraucher bringen. Damit habe ich mich
als Produzent nicht in die totale Abhängigkeit meiner Kunden
begeben, sondern stattdessen die Handelsfunktion selbst übernommen. In meinen 50 Jahren war keine Bilanz negativ und es
wurde kein Mitarbeiter aus Arbeitsmangel entlassen, das Eigenkapital beträgt 100 Prozent und seit 1975, als ich die Schulden
meines Vaters zurückbezahlt hatte, habe ich mit keiner Bank
mehr über einen Kredit gesprochen.

05// Was haben Sie dazu seit 1969 bei TRIGEMA in Bewegung
versetzt?
In meiner Startzeit habe ich vieles gelernt. Zunächst habe ich
mich mit meinem Vater auseinandergesetzt, der in zweiter Generation immer mehr Firmen gegründet und Geschäftsführer
eingestellt hat. Diese haben jedoch Millionenverluste eingefahren! Warum, habe ich mich gefragt, wollte er immer mehr? Stattdessen hatte er sich nur Probleme geschaffen. Ich habe dann
diese Firmen aufgelöst und bin bei Textil geblieben. Das bedeutet übrigens nicht, dass man ja keinerlei Risiken eingehen könne:
Ich gehe konstant Risiken ein! Aber ich muss sie auch verantworten können.
06// Wie ging es danach weiter?
Als sich abzeichnete, dass die großen Kauf- und Versandhäuser
pleitegingen, haben diese zunächst versucht, bei dem Lieferanten den Preis zu drücken. Ich erkannte, dass sie uns fortläufig die
Preise drücken würden, wenn wir einmal nachgeben. Also musste ich mir neue Kunden suchen. Gewandert bin ich zunächst zu
den SB-Kunden, voran Metro. Als diese auch die Preisdiskussionen anfingen, ging es zu den Discountern. Voran Aldi – einem
tollen Kunden! Jedoch plante dieser später eine Eigenmarke, inklusive einer erheblichen Preissenkung, die wir nicht mittragen
konnten. Schlussendlich haben wir, wie bereits erwähnt, auch
einen Teil der Handelsfunktion in eigene Hände genommen,
um nicht in die totale Abhängigkeit zu geraten.
07// Wie zeichnet sich Ihr Vertrieb aus?
Wir haben einen Händlerkatalog, den wir an Kunden von uns,
die bisher bei uns gekauft haben, verschicken, und warten dann,
bis die Kunden auf uns zukommen. Jeder, der uns braucht, weiß,
dass er sich auf TRIGEMA verlassen kann, weil wir innerhalb weniger Tage liefern können. Unsere Produktion auf Lager bietet uns
die Chance, immer entsprechend liefern zu können.
08// Sie fahren bei TRIGEMA einen stark nachhaltigen
Kurs, stellen Cradle-to-Cradle-Produkte her und bieten
Kindern der Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie. Wie
aufwendig gestaltet es sich, diese hohen Standards einzuhalten?
Ich betrachte sie weniger als hohe Standards, sondern viel
eher als stetig neue Anforderungen, die eine Basis für unsere
Produktion in Deutschland ermöglichen! Wir haben bei TRIGEMA auch eine andere Vorstellung von Wachstum als anderswo. Seit zwölf Jahren habe ich die Produktionskapazitäten nicht mehr erweitert. Wachstum bedeutet für mich, dass
ich rechtzeitig Produkte, die mittlerweile in Billiglohnländern
produziert werden, zurückfahre oder aufgebe – während ich
neue, innovative Produkte oben ansetze, zum Beispiel unsere Cradle-to-Cradle-Produkte. Das ist keine Riesenbelastung,
sondern eine Riesenchance! Wir machen dem Verbraucher klar: Wenn du verantwortungsvoll denkst, kannst du
deine Produkte bei TRIGEMA problemlos kaufen. Der zweite Punkt, die Arbeitsplatzgarantie, erfolgt auch aus einem
egoistischen Motiv heraus: Ich benötige schließlich laufend
Nachwuchs, Mitarbeiter ziehen weg, gehen in Pension oder
Elternzeit. Wer mir die Treue zeigt, dem bleibe auch ich treu –
inklusive der Kinder. Solange diese nach der Schule als Erstes
zu uns kommen, gibt es keine Diskussion.
09// In Ihrem Sortiment bieten Sie auch große Größen an: Wie
gut werden diese angenommen? Mitunter haben sich sogar
schon Maßschneidereien für dieses Segment geöffnet, auch
im Casual- und Sportbereich.
Große Größen sind bei uns sehr gefragt, weil es immer weniger Produzenten gibt, die diese Nachfrage bedienen. Wer sich
jedoch solche Maßkleidung anfertigen lässt, hat keine andere
Wahl, weil er eine Größe besitzt, die am Markt nicht angeboten
wird. Wir fertigen vom Kleinkind bis zu 5XL, aber unterteilen nicht
noch einmal jedes Stück nach verschiedensten Körperproportionen. Maßschneidereien betrachte ich auch nicht als Konkurrenz,
sondern als Ergänzung zu unserem Angebot.

10// Ihre Kollektionen vertreiben Sie zu 50 Prozent über
„Testgeschäfte“. Was hat es
mit diesem Titel auf sich?
Die Testgeschäfte starteten
zunächst als genau das: nämlich als Test für meine Kunden,
was gut läuft und was nicht.
Mittlerweile sind daraus 45
klassische Outlets geworden.
Mehrheitlich befinden sie sich
an Urlaubsorten, von Bayern im Süden bis Schleswig-Holstein
im Norden. Wir vertreiben an allen Standorten unser gesamtes
Sortiment. Ich werde aber die 45 Testgeschäfte nicht erweitern,
weil der Onlinekauf weiter an Bedeutung zunimmt.
11// Wie gut verläuft das TRIGEMA-Geschäft im Onlinezeitalter?
Das Geschäft verläuft gut! Parallel zum eigenen Onlineshop, der
jetzt schon 15 Millionen umsetzt, beliefere ich täglich Amazon
und OTTO just in time. Diese Zuverlässigkeit bieten wir! Allgemein handelt es sich bei beiden um Top-Kunden, die sich fair
verhalten. Wenn sich deren Unternehmenspolitik allerdings ändern sollte, wie sie sich bereits bei meinen früheren Top-Kunden
geändert hat, dann müsste ich vielleicht wieder neue Kunden
suchen.
12// Kommen wir auf den TRIGEMA-Affen zu sprechen: Sie ärgerten sich offenkundig darüber, dass Sie aufgrund von Protesten eine Zeitlang auf ihn verzichtet haben.
Überhaupt nachgegeben zu haben, war tatsächlich eine Fehlentscheidung – doch habe ich sie am Ende ja auch wieder
korrigiert! Zunächst jedoch rieten mir andere, es mit anderer
Werbebotschaft zu versuchen. Für 100.000 Euro habe ich einen
nachhaltigen Werbespot drehen lassen, und doch fragten alle wieder nach dem Affen! Also
habe ich ihn mit hineingenommen, diesmal in digitaler Form. Der digitale Affe ist
dankenswerterweise auch
umgänglicher als der analoge und macht jede Bewegung mit, die man von ihm
will. Auf unserem Luftschiff,
getauft „Charly“, ist auch der
Affe abgebildet. Käufer, die
zu uns in die Testgeschäfte kommen, wollen Aufkleber und Tassen mit dem Affen. Der Mainstream will unseren Affen!
13// Welche neuen Projekte stehen bei TRIGEMA in den
nächsten Jahren an?
Anstatt völlig neue Projekte anzustoßen, muss ich vielmehr
konstant den Wandel der Zeit wahrnehmen. Das Wachstum
durch den Onlinehandel ist aktuell unsere Priorität, das müssen
wir wahrnehmen. Und zwar sofort, statt irgendwann einmal!
14// Für Ihre Kinder Bonita und Wolfgang junior haben Sie
seit jeher eine Doppelspitze in der Geschäftsführung ausgeschlossen. Woher rührt das?
Wenn die Geschäftsführung zweigeteilt wird, dann wird immer eine Entscheidung kritisiert werden. Meine Kinder sollen
sich ein Leben lang lieben, nicht ein Leben lang streiten! Beide
arbeiten in der Firma, aber nur eines der beiden soll am Ende
die Firma und damit die Verantwortung übernehmen. Es ist
ja ganz simpel: Auf dem Boden bleiben, rechtzeitig Veränderungen erkennen und mitmachen, sich selbst im Griff behalten und Gier und Größenwahn nicht voranschreiten lassen. Auf
diese Weise habe ich 50 Jahre lang agiert. Dem werden beide
Kinder auch problemlos gerecht werden, denn ansonsten hätte ich versagt!

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WILL UNSEREN
AFFEN! «

TRIGEMA FEIERT 100. GEBURTSTAG

Am 26. Oktober feierte das schwäbische Traditionsunternehmen sein 100-jähriges Firmenjubiläum. Rund
1.500 Gäste feierten mit: Neben TRIGEMA-Mitarbeitern
und -Pensionären waren dies unter anderen der badenwürttembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann,
Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, EU-Kommissar Günther
Oettinger, die baden-württembergische Wirtschaftsministerin
Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und Staatsministerin Annette
Widmann-Mauz. Auch Landrat Günther-Martin Pauli und IHKVizepräsident Dr. Thomas Lindner gratulierten zum runden
Geburtstag. Passend zum Anlass verlieh Kretschmann
Wolfgang Grupp im Namen des Bundespräsidenten das
Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine herausragenden
Leistungen für das Gemeinwesen. Zwei Stunden bombastische Unterhaltung lieferte derweil Superstar Helene Fischer.

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